Die TSV-Halle, ein Stück Peitinger Sportgeschichte

A
ls sich im Jahr 1906 der Turnverein Peiting gegründet hatte, bestanden von Anfang an der Wunsch und das Ziel nach einem eigenen Turnraum und einem Turnplatz. Es sollte jedoch 30 Jahre lang dauern, bis der große Wunsch Wirklichkeit wurde.
 
Zunächst wurden die Turnübungen in den Nebenzimmern verschiedener Wirtshäuser abgehalten. 1922 kam dann folgender Fortschritt zustande: " Die Gemeinde Peiting, als Eigentümerin des Feuerhauses, überlässt dem Turnverein Peiting auf Ruf und Widerruf den Dachbodenraum dieses Hauses zu seiner Benutzung als Turnlokal. Eine Mietgebühr für den überlassenen Raum hat der Turnverein nicht zu entrichten." Diese Vereinbarung, mit der der Turnverein eine erste feste Heimstatt fand, wurde am 07.04.1922 von Bürgermeister Barnsteiner und dem Turnvereinsvorsitzenden Werkmeister unterschrieben und zeigt, dass schon damals gutes Einvernehmen zwischen Turnern und Gemeinde bestand. Der Turnverein trieb jedoch seine Bemühungen um einen eigenen Hausbau entschieden vorwärts. Schon am 9.Mai 1922 wurde der erste Grundstückskauf beurkundet. Vom Darlehenskassenverein Peiting, vertreten durch Johann Wörnzhofer, wurde zum Preis von 1600 Mark ein Grundstück mit der Größe von 0,544 ha gekauft. Weitere Grundstückskäufe folgten. Schließlich war es 1931 so weit, daß der Münchener Architekt Alois Kranebitter mit der Planung des Baues einer Turnhalle beauftragt werden konnte. Mit unglaublich viel Eigenleistungen und Sachspenden durch Peitinger Handwerker, Bauern und Bergleute wurde der Bau in Angriff genommen und verwirklicht. Folgende Kosten entstanden dem Verein:
Maurerarbeiten:
Zimmermannsarbeiten:
Dachdeckerarbeiten:
Spenglerarbeiten:
Installationsarbeiten:
Einrichtung:
Schreiner- und Schlosserarbeiten:
Maler- und Anstreicherarbeiten:
Herd- und Ofenlieferung:
Elektrische Lichtanlage:
Unvorhergesehenes usw.

S u m m a :
11.279,40 Mark
9.226,60 Mark
1.909,00 Mark
555,06 Mark
1.164,76 Mark
870,00 Mark
3.686,00 Mark
1.659,00 Mark
1.635,00 Mark
1.500,00 Mark
2.954,88 Mark

44.000,00 Mark
(laut Abrechnung des Architekten Kranebitter).
So entstand die Halle, die wie erbaut im Wesentlichen bis in die Fünfzigerjahre Bestand hatte und mit ihren Kohle- und Sägemehlöfen heute noch vielen Peitingern in Erinnerung ist.
Die große Turnhalleneinweihung war am 16. und 17. September 1933.

Von diesem Zeitpunkt an war die Halle Mittelpunkt des sportlichen Lebens und auch wesentlicher Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens in Peiting. Schon 1934 wurden die Peitinger Herbstkampfspiele ins Leben gerufen, die zu einem der größten und wichtigsten Sportfeste im ganzen Oberland und weit darüber hinaus wurden. Bis 1967 beherbergte die Halle nicht nur den Sport des TSV, sondern auch den Peitinger Schulsport.

Mittelpunkt des Peitinger Faschings war die TSV-Halle mit dem Turnerball, der Turnerkneipe und vielen anderen prächtigen Faschingsveranstaltung. In politischen Veranstaltungen hat so mancher bayerische Vollblutpolitiker die Halle in wallende Hochstimmung versetzt.

Die Knappschafts- und Trachtenkapelle Peiting hat mit ihren glanzvollen Weihnachtskonzerten in der Halle ihre Heimat gefunden. Die Theatergruppe des Trachtenvereins hat, wie vordem die Theaterabteilung des TSV, ihrem Publikum Freude und Begeisterung am heimatlichen Schauspiel vermittelt.

Die Halle war immer lebendig, hatte aber auch immer viel auszuhalten: Eine Reihe von Männern haben Hunderte von Stunden in ihrer Freizeit damit zugebracht, die Halle in Stand zu halten: Georg Lutz, Nikolaus Mäuerle, Hans Lutz, Albin Harisch seien hier stellvertretend für alle genannt.

1959/1960 erfuhr die Halle ihren ersten großen Um- und Erweiterungsbau. Durch den Architekten J. Schuster aus Schongau erfolgte die Umgestaltung der Halle in den Zustand, wie sie sich heute im Großen und Ganzen noch befindet.
Zwar wurden an der Halle laufend sehr kostenaufwendige Sanierungs- und Modernisierungsarbeiten durchgeführt. Dennoch hat sich zwischenzeitlich ein Renovierungsstau angesammelt, dessen Kosten für den TSV nicht mehr verkraftbar waren.
Die sportliche Nutzung der Halle war immer mehr zurückgetreten, die Halle ist nahezu zum reinen Veranstaltungsraum geworden, dessen Kosten für den TSV die möglichen Einnahmen konstant und in immer höherem Maß überstiegen haben.

Die Übereignung der Halle durch den TSV an den Markt war deshalb unumgänglich notwendig. Dies wurde in sehr vielen Gesprächen, Erörterungen und Diskussionen im Vorstand, im Hauptvorstand, in den Mitglieder- und Delegiertenversammlungen erörtert.
Mit Steuerberatern und Steuerbehörden, Vertretern des Marktes Peiting und Finanzfachleuten wurde eine Vielzahl von Verhandlungen geführt.
Das Ergebnis ist bekannt. Der Markt Peiting hat die Halle übernommen und damit ihren Bestand gesichert. Wir sind für diese Lösung dankbar.

Die Verhandlungen mit dem Markt waren stets fair, getragen von der beiderseits sehr bewussten Verantwortung für das Gemeinwohl. Ich denke, dass nicht nur der Markt uns gegenüber, sondern auch wir gegenüber dem Markt als konstruktiver und kooperativer Partner aufgetreten sind.

Wir wünschen uns für die Halle  e i n e  g u t e   Z u k u n f t .

                Ernst Moosmang
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